Antragsteller*in

Trierer Jusos

Zur Weiterleitung an

Landesparteitag der SPD Rheinland-Pfalz, Bundeskongress der Jusos

Antragstext

Die Landeskonferenz der Jusos Rheinland-Pfalz möge beschließen:
Wir fordern die Entwicklung und die Subventionierung zellbasierter Landwirtschaft. Gleichzeitig fordern wir finanzielle Mittel zur besseren Erforschung und Aufklärungsarbeit durch die zuständigen Fachministerien, Krankenkassen und Bildungsinstitutionen.

Begründung

Die Fleischproduktion steigt weltweit. Dabei ist sie mit einem Anteil von 14,5% Treiber des Klimawandels, fördert Antibiotikaresistenz und ist mit ernährungsphysiologischen Nachteilen sowie der unmoralischen Haltung in Massentierhaltung assoziiert. Auch gehen große Flächen für eine direkte Lebensmittelproduktion verloren, die im Idealfall dazu genutzt werden könnten, um weite Teile der hungernden Bevölkerung weltweit zu ernähren. In Anbetracht der Verknappung an Getreide (etwa durch zunehmende Dürren oder andere durch den menschengemachten Klimawandel verursachte Naturkatastrophen, dem Krieg Russlands gegen die Ukraine und einer daraus resultierenden Verzögerung von Lieferungen) halten wir es für absolut falsch, das für den menschlichen Verzehr geeignete Getreide in großem Maße als Futtermittel zu verbrauchen. Ebenso führt das Festhalten an diesen Strukturen zum Ausfall wichtiger Nährstoffe durch Veredelungsverluste. Es stellt sich die Frage, ob dies angesichts des Welthungers gerechtfertigt sein kann. Als Jusos positionieren wir uns da eindeutig und sagen: nein! Nachfolgenden Generationen wird nur wenig Freiraum zur Gestaltung ihres Planeten geboten. Wir brauchen also aus Gründen der Nachhaltigkeit und der Gerechtigkeit dringend eine nachhaltigere Alternative zu Fleischprodukten.

Spätestens seit der medialen Vorstellung im Jahr 2013 ist „zellbasiertes Fleisch“ vielen Menschen ein Begriff. Schon damals wurde prognostiziert, dass die Herstellung irgendwann preiskompetitiv mit konventionell produziertem Fleisch sein kann und folgend sogar günstiger werden könnte. 78-96% weniger Treibhausgase, 7-45% weniger Energie, 82-96% weniger Wasser, 100% weniger Antibiotika und 99% weniger Landfläche[1]: das alles wären nur Beispiele für eine Verbesserung in vielen Bereichen der Landwirtschaft, der Ernährung und der Gesundheit des Menschen. Ein weiterer revolutionärer Vorteil ist, dass die Nährstoffe im zellbasierten Fleisch optimiert werden können. Im Vergleich zur konventionellen Herstellung wird außerdem nur ein winziger Bruchteil der Tieranzahl benötigt und die Tiere können nach der Entnahme der Zellen weiterleben. Der Bereich des Clean Meat bietet also ein enormes Potenzial.

Dabei ist die politische Entwicklung ebenfalls spannend zu beobachten. Herausragende Länder, die zellbasiertes Fleisch bereits subventionieren sind die USA, China, Israel und die Niederlande. Europa belegt aktuell den zweiten Platz in Bezug auf die Anzahl der Unternehmen und die Höhe der eingeworbenen Finanzmittel und hat zudem einen der am besten definierten Regulierungswege für zellbasiertes Fleisch weltweit. 2020 unterstützte die EU bereits ein europäisches Konsortium mit Forschungsgeldern über 2,7 Mio. Euro. Verkauf und Konsum sind in Europa allerdings weiterhin verboten und Aufsichtsbehörden würden bei Lebensmitteln der Biotechnologie seit jeher eine eher ablehnende Haltung einnehmen.[2] Als gesichert gilt aber, dass diese neue Industrie einen großen Einfluss auf unsere zukünftige Ernährung haben wird.

Laut aktueller Forschung in Deutschland würden zwei von drei Konsument*innen Clean Meat probieren und beinahe die Hälfte davon ziehe es als regelmäßige Alternative zu konventionellem Fleisch in Betracht. Prognosen besagen, dass im Jahr 2040 der Konsum von konventionellem Fleisch 40% einnehmen und der Konsum von kultiviertem Fleisch auf 35% steigen wird. Die restlichen 25% bilden vegane Alternativprodukte.[3]

Es ist allerdings wichtig zu betonen, dass zellbasiertes Fleisch trotz der herausragenden Vorteile weiterhin als Genussprodukt angesehen werden sollte, immerhin verbraucht die Herstellung noch große Mengen wertvoller Ressourcen und sie ist noch nicht gänzlich vom Tier entkoppelt. Anzustreben ist eher eine pflanzenbetonte Ernährung, die ab und zu solche Convenience-Produkte einschließt.

Wir sind davon überzeugt, dass die Förderung dieser Industrie aufgrund der nachhaltigen Vorteile und einem effektiven Kampf gegen des sich dieser Tage verschlimmernden Welthunger im gesellschaftlichen Interesse liegt, weshalb wir uns klar für Subventionierungen aussprechen. Auch wollen wir, dass über diese neue Form der Ernährung besser aufgeklärt wird – sei es durch Kampagnen der zuständigen Ministerien, der Krankenkassen oder durch Bildungsinstitutionen.


[1] Quelle: Vegan Low Budget; Rittenau, Copien; 2020

[2] Quelle https://vegconomist.de/clean-meat-zellkultur-biotechnologie/kultiviertes-fleisch -eine-globale-perspektive-von-idtechex/ (Stand 22.05.2022)

[3] Quelle: https://vegconomist.de/top-themen/clean-meat-clean-milk-clean-cheese-im-interview -mit-hydrosol/ (Stand 22.05.2022)